Die Kälte

Als ich des Abends vor dem Computer sass, legte mir die Herrin der Kälte ihre Hand auf die Schulter. Das Frösteln, das mich durchlief, verunmöglichte mir die Bedienung von Maus und Tastatur. Ich spannte die Schultern an und zog die Arme an den Körper.
«Woher komme ich?», fragte sie lauernd.
Unsicher, welche Art von Antwort sie erwartete, schwieg ich zunächst. Doch als sie den Druck ihrer Hand verstärkte, antwortete ich kleinlaut: «Von draussen?»
«Exakt», bestätigte sie triumphierend. «Deine Fenster sind alt und undicht. Durch die Ritzen strömt unaufhörlich die winterliche Luft. So bin ich in deine Wohnung gelangt.»
«Aber wie?», fragte ich zurück. «Die Rahmen und Scheiben wurden letzte Woche ersetzt. Sie sind keineswegs alt und schon gar nicht undicht.»
Ich spürte, wie sich ihr Griff von meiner Schulter löste. «Bist du dir sicher?», fragte sie zögernd.
«So sicher wie ich hier sitze.» Ich drehte mich um, doch ich sah sie bereits nicht mehr. Ich hörte lediglich ihre Worte: «Dann habe ich mich in der Wohnung geirrt. Tut mir leid.»
Daraufhin wurde es still.
Allmählich spürte ich die Wärme in meinen Körper zurückkehren. Ich beugte mich wieder über die Tastatur und nahm mir vor, morgen den Vermieter wegen der alten Fenster anzurufen.

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