Auf dem Weg durch die Alpen begleitete ich den Grafen. Er ging mit finsterem Blick neben mir her; ich ahnte, dass ihm etwas Böses auf der Zunge lag, weshalb ich mich bemühte, meine Sache gut zu machen. Und doch konnte all meine Anstrengung ihn nicht zufriedenstellen. Nahe einer Weggabelung blieb er stehen. Der Schatten eines Kiefernwäldchens fiel über ihn und verlieh seinem Gesicht einen dämonischen Zug.
«Hier ist alles bestens ausgeschildert», sprach er und liess eine Pause folgen, in der ich mich klein machte.
«Warum also», fuhr er fort, mit Blick auf den Wegweiser, «habe ich mich Ihrer Führung anvertraut?»
Bei jedem anderen hätte die Frage den flüchtigen Gedanken zugelassen, dass sich der Fragende selbst für naiv oder dumm hielt; dass er sie also sich selbst stellte. Nicht aber beim Grafen. Die Last der Antwort lag ganz allein auf meinen Schultern, und so erwiderte ich:
«Ja, wir sind hier nicht in den Karpaten. Wobei Sie die vermutlich bestens kennen –«
Sein Blick blitzte auf, und ich fuhr zaghaft fort:
«Aber manchmal dreht jemand die Schilder um. Deshalb brauchen Sie mich, weil nur ich weiss, welche Schilder richtig und welche falsch herum stehen.»
Ich begriff schnell, dass meine Antwort ihn nicht überzeugte. Und in Wirklichkeit, das wusste ich selbst, standen alle Schilder immer, wie sie stehen sollten. Der Graf erwiderte nichts. Er machte einen Schritt, dann noch einen – bis ihn das Wäldchen verschluckte. Ich blieb allein zurück. Wenn auch beruhigt: Denn er hatte den Weg ins Tal genommen.
