Evakuierung

Dem Aufruf der Behörden folgend, hatte sich Herr Lüthi schnellstmöglich zum Bahnhof begeben; doch der Zug war bereits abgefahren, und niemand weilte vor Ort, um ihm, dem Zuspätgekommenen, zu helfen. Also war er wieder nach Hause gegangen und hatte sich auf den Schemel in der Küche gesetzt. Was auf ihn zukommen sollte, wusste er nicht. In den Nachrichten war mal von einer Überschwemmung, mal von einem Erdrutsch die Rede gewesen. In den folgenden Tagen blieb die Katastrophe aber aus; und Herr Lüthi begann sich zu fragen, ob er sich die heulenden Sirenen lediglich eingebildet hatte. Auch schien niemand sonst auf das Warnsignal achtgegeben zu haben, denn die Leute waren alle noch da. Stattdessen spürte er kritische Blicke auf sich ruhen – so, als wäre seine erfolglose Evakuierung ein beschämendes, aber offenes Geheimnis. Herr Lüthi hielt es im Dorf nicht länger aus und beschloss, die verpasste Gelegenheit nachzuholen. Er eilte zum Bahnhof, fuhr mit dem Zug in die Stadt und bezog die Wohnung eines Freundes. Dort blieb er evakuiert.

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