Ich sah, hörte, roch, schmeckte, spürte sie nicht, trotzdem wusste ich, dass eine dunkle Präsenz neben mir im Zug sass. Energisch hatte ich versucht, die Leute, die ihren Sitzplatz in Beschlag nehmen wollten, wegzuscheuchen. Doch der Wagon wurde immer voller. Da setzte sich ein alter Mann neben mich. Ich erschauderte: Ohne besseres Wissen hatte er die Präsenz in sich aufgenommen. Davon zu merken war vorerst aber nichts; der Mann schaute aus dem Fenster, las ein Buch. Ich betrachtete ihn misstrauisch. Als er bei der nächsten Station ausstieg, musste ich ihm folgen. Er schien pensioniert zu sein oder zumindest einen freien Tag zu haben, denn er besuchte unbekümmert und ohne Eile diverse Läden in der Stadt. Nichts deutete auf das dunkle Wesen in seinem Innern hin – bis er sich in einem Kleiderladen für einen Hut entschied. Bevor er ihn in die Hände nahm, durchlief ihn ein kaum merkliches Zucken; ein weiteres, als er an der Kasse stand und wartete, bis er an die Reihe war. Ich bekam Angst um den Pensionär und hatte Mitleid mit ihm. Was auch immer ihn ereilen würde, wenn er diesen Hut kaufte, er hatte es nicht verdient. So tat ich das einzig Richtige: Ich drängte mich an ihm vorbei, riss ihm die Kopfbedeckung aus der Hand und stürmte aus dem Laden. Wahrscheinlich würde die Tat unangenehme Konsequenzen für mich haben – aber alles war besser, als Unschuldige ihrem Schicksal zu überlassen.
