Der Wille

«Man muss den Kindern ihren Willen lassen», erklärte mir der Hund. Mit Besorgnis sah ich zu, wie ein Junge, er mochte vier oder fünf Jahre alt sein, ihm ein verfaultes Herbstblatt vor die Schnauze streckte. Ohne zu knurren, ass der Hund das Blatt, obwohl es ihm nicht schmeckte. Das trockene Ding knirschte zwischen seinen Zähnen. Wenngleich der Bengel daran seine helle Freude hatte, bekam ich Mitleid mit dem Tier.
«So friss es doch nicht, wenn es nicht geht», warf ich ein.
«Es geht», erwiderte er stoisch. Das Kind suchte bereits nach dem nächsten Blatt am Boden. Der Hund wedelte mit dem Schwanz, als freute er sich darauf.
«Warum?», fragte ich.
«Es würde auch dir gut tun, wenn dich jemand in deinem Willen bestärkte», meinte der Hund.
Zuerst wollte ich etwas dagegen einwenden, doch als ich sah, wie der Junge lachte, murmelte ich versonnen: «Hm, das würde es vielleicht.»

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