Wie jeden Tag stand ich um die Mittagszeit auf, um im Einkaufszentrum Besorgungen zu erledigen. Doch diesmal war etwas anders: Kaum hatte ich die automatische Eingangstür passiert, stach mir aus unbestimmtem Grund ein Elternpaar mit einem kleinen Kind ins Auge. Der Junge mochte vier oder fünf Jahre alt sein, zumindest sprach sein Spieltrieb dafür: Als er ein Warnschild am Boden entdeckte, das auf Rutschgefahr hinwies, bettelte er seine Eltern an, sie mögen ihn doch über das Hindernis hinwegheben. Die Bitte kam mir reichlich albern vor. Trotzdem kam der Vater dem Wunsch des Kindes nach, hob seinen Sohn schwungvoll über das Schild und setzte ihn anschliessend wieder sicher auf die Füsse. Der Junge quietschte vor Vergnügen, quasselte und lachte, bis die Familie in einem Kleiderladen verschwunden war. Das Schauspiel hatte mich so abgelenkt, dass ich, ohne es zu wollen, plötzlich selbst vor dem Schild stand. Mir musste niemand dabei helfen, das Hindernis zu überwinden, im Gegenteil: Ein Schritt, und ich hatte es mühelos transzendiert. Dennoch machte sich Enttäuschung in mir breit: Während der Junge geflogen war, war ich lediglich gegangen – und auch das nicht besonders gut, denn auf einmal verlor ich das Gleichgewicht und musste mich an einem nahen Abfalleimer festhalten, um nicht zu stürzen. Aus Angst, jemand könnte meinen Fehltritt beobachtet haben, erledigte ich die Einkäufe in aller Hast und schleppte die Taschen ebenso schnell nach Hause. Nachts träumte ich von riesigen Händen, die mich sanft über die Stadt trugen.
