Tausend

Zwei Bauarbeiter standen neben einer Grube und einer Kabelrolle. Sie schienen in ein wichtiges Gespräch vertieft und bemerkten mich nicht, als ich an ihnen vorbeiging. Der eine sagte: «Tausend.» Der andere nickte ernst. Ich kam bald zuhause an, da ich in der Nähe wohnte. Weil ich müde war, ging ich nach dem Abendessen sofort ins Bett. Doch das eine Wort wollte mir nicht aus dem Kopf: «Tausend». Was hatte er damit gemeint? Tausend Meter tief? Tausend Meter lang? Tausend Stunden, bis die Strasse fertig gebaut war? Ich wälzte mich schlaflos im Bett. Am nächsten Morgen beschloss ich, Nachforschungen anzustellen, und ging abermals an der Baustelle vorbei, obwohl ich damit in Gefahr lief, den Bus zu verpassen. Die Bauarbeiter waren nicht mehr zu sehen. Ich stellte mich an den Rand der Grube und blickte hinab. Eine lose Abschrankung war alles, was mich vom Abgrund trennte. Hatte der Bauarbeiter vielleicht tausend Sekunden gemeint, die man fiele, bis man den Boden erreichte? Ich rechnete nach. Nein, das wären über sechzehn Minuten.
«Tausend.»
Ich drehte den Kopf. Da stand der Bauarbeiter, lächelnd.
«Tausend Jahre könnten Sie da stehen und nicht wissen, was ich gemeint habe, wenn ich es Ihnen jetzt nicht gesagt hätte», erklärte er und klopfte mir auf die Schulter. Obwohl ich dadurch beinahe den Halt verlor und in die Grube stürzte, bedankte ich mich bei ihm und lief zur Bushaltestelle.
Der Bus war bereits weggefahren.

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