«Gib auf», sagte mein Freund. «Den Sprung schaffst du nie.»
«Und ob ich ihn schaffe», erwiderte ich und schaute mit zusammengebissenen Zähnen zum gegenüberliegenden Ende der Halfpipe. Der Sprung war eigentlich einfach. Alles, was ich tun musste, war, mich hochzukatapultieren und die Arme so weit nach oben zu strecken wie nur möglich. Das Schwierige daran war, die erforderliche Höhe zu erreichen. Bislang hatte ich es nicht fertig gebracht, ausreichend Schwung zu gewinnen. Doch ich liess mich davon nicht entmutigen. Nach einem letzten konzentrierten Blick fuhr ich in die Transition und raste entlang des Verts nach oben. Wie erwartet reichte meine Geschwindigkeit gerade knapp aus, um das Coping zu streifen. Beim gegenüberliegenden Vert kickte ich das Brett in die Luft. Obwohl ich keine wilden Drehungen machte, musste ich mich konzentrieren, sauber zu landen. Bei der fünften Anfahrt war es so weit. Ich gab alle Kraft in den Sprung und schnellte nach oben. Zeitgleich streckte ich die Arme aus, spürte, wie meine Finger sich um die Beine des Pferdes schlossen. Leider vergebens: Der Gaul wieherte, worauf die Walküre mit ihrem Speer nach mir stach. Sie traf mich schmerzhaft in der Hüfte. Ich liess los und krachte zu Boden. Vermutlich prellte ich mir dabei auch noch sämtliche Knochen, doch ich schenkte den Verletzungen keine Beachtung. Mein Blick galt einzig ihr, die auf ihrem fliegenden Pferd in Richtung Sportplatz davonritt.
«Das war wohl nichts», bemerkte mein Freund ironisch. Er war nach unten geklettert und half mir auf die Beine. «Man kann den Einzug in Walhalla offenbar nicht erzwingen.»
«Ja», murmelte ich zerknirscht. «Liegt es an der Sportart?»
«Das scheint sie jedenfalls mehr zu interessieren.» Er deutete zum Platz, wo sich zwei Fussballer ein rohes Duell lieferten.
