Luft

Unfreiwillig bin ich dem Ruf nach Atlantis gefolgt, sprich, man hat mich entführt. Seither lebe ich unter einer mit Luft gefüllten Glasglocke, um mich herum schwimmen die Bewohner der versunkenen Stadt. Die Kommunikation durch das Glas gestaltet sich schwierig; nur so viel habe ich verstanden, als dass ich mich endlich unter Meinesgleichen befände. Folglich habe ich auf ein Zeichen gewartet, das mich als Atlantide ausweisen würde. Vielleicht wüchse mir ein Fischschwanz, oder ich ertastete eines Morgens Kiemen am Hals. Doch bislang ist nichts davon geschehen, und ich frage mich, ob die Luft daran schuld ist. Zugleich würde ich ohne die Glocke ja kläglich ertrinken. Wie ich es auch drehe und wende, das Dilemma der Gewöhnung bleibt bestehen. Ich sehe keinen anderen Ausweg, als auf die Einsicht meiner Entführer zu hoffen, dass ihnen und mir mit der Situation nicht gedient ist.
Nachtrag: Es hat seine Zeit gedauert, aber jetzt haben sie mich zurück an die Oberfläche gebracht. Den Gesichtern der Delegation nach zu schliessen, die mit meiner Rückführung betraut war, wurde den Fischmenschen damit eine Last von den Schultern genommen. Ich fühle genauso, wenngleich ich ihren König, der einen stolzen Bart trägt, gerne ein letztes Mal gesehen hätte.

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