Seit vielen Jahren hatte Herr Weber nichts mehr richtig genossen, weil er, wenn ihm etwas Gutes widerfuhr, stets anfing zu zittern. Wenn er ein hervorragendes Prüfungsresultat bekam, wenn er seine Lieblingsspeise ass, ja, sogar wenn er auf den Zug wartete und ihn endlich in der Ferne erblickte, zitterte er. Das Zittern war kein gewöhnliches, leichtes, das höchstens lästig gewesen wäre, nein: Es war so stark, dass ihm dabei schwindlig wurde und er beinahe das Bewusstsein verlor. Entsprechend achtete er darauf, jegliche Situation zu vermeiden, die ihm Freude bereitete, und entfernte sich zum Beispiel sofort, wenn ein Kollege ihm einen Witz erzählte. So lebte Herr Weber sein Leben trübsinnig dahin, weil nie etwas geschah, das seine Laune hob. Irgendwann jedoch hörte das unerklärliche Symptom auf, oder vielleicht hatte sich Herr Weber inzwischen so gut in seinem Trübsinn eingerichtet, dass ihm nichts mehr gefallen konnte. Als er zur Feier – oder wenigstens Anerkennung – dieses Umstands ins Restaurant ging und ein Schnitzel bestellte, überkam ihn beim Gedanken an das bevorstehende Essen sogar ein Gefühl des Ekels. Das gefiel ihm so gut, dass er sich darüber wieder freute, was ihn, als der Kellner das Schnitzel brachte, unglücklicherweise wieder ins Zittern versetzte.
