Das Wichtigste vorweg: passiert ist nichts. Ich fand eines Morgens lediglich einen Handschuh vor meiner Haustür, und es traf sich, dass ich eine Woche zuvor eine amerikanische Komödie aus den Sechzigerjahren gesehen hatte, in der zwei bekannte Schauspieler ein Fechtduell austrugen. Im Film kamen ausserdem Hunde vor, die auf dem Bett eines Prinzen herumsprangen – egal. Wegen des Duells, auch wegen des Handschuhs, kam ich auf die Idee, dass mich jemand herausforderte, und dass dieser jemand ein Mitglied des lokalen Fechtclubs sei. So ergriff ich die nächste Gelegenheit und ging zu einem Schnuppertraining, wo ich die benötigte Ausrüstung mieten durfte und die ersten Bewegungsabläufe lernte. Zu Beginn fühlte sich die Fechtmontur unangenehm und einengend an, nach und nach wurde sie mir jedoch zur Gewohnheit, als ich weitere Trainings absolvierte. Der eigentliche Grund meiner Übungen war natürlich, denjenigen auszumachen, der mir den Handschuh vor die Türe geworfen hatte, weshalb ich die Regungen meiner Kontrahenten genau beobachtete. Ich hatte kein Glück bei der Suche – bis der Maître in der letzten Einheit des Schnupperkurses die Ankunft einer ungarischen Fechtmeisterin verkündete, die uns die Feinheiten des Sports näherbringen sollte. Kaum war sie über die Schwelle der Turnhalle getreten, erkannte ich sie als Trägerin des Handschuhs. Sofort setzte ich alles daran, ein Duell mit ihr auszufechten, wozu es nach ein paar Wechseln auch kam. Ich stürmte auf sie ein, als hinge mein Leben davon ab, doch sie versetzte mir einen so heftigen Stich, dass ich taumelte und fiel. Ich konnte daraufhin nicht mehr weiterkämpfen, denn sie hatte mein Schlüsselbein getroffen. Nach etwas Bettruhe geht es mir indes schon wieder besser; allerdings bleibt mir die Revanche verwehrt, da die Fechtmeisterin mittlerweile in ihre Heimat zurückgereist ist. Leider hat sie auch ihren Handschuh hier vergessen. Statt an ein glorreiches Duell denke ich jetzt nur noch an die Hunde auf dem Prinzenbett und habe mir vorgenommen, es mit dem Fechten sein zu lassen.
Wie schon erwähnt, passiert ist nichts.
