Um frisch in den Tag zu starten, hatte ich mir ein Morgenritual zurechtgelegt. Das ging so: Nach dem Aufstehen begann ich mit zwanzig Liegestützen, danach bereitete ich mir einen gesunden Haferbrei mit Früchten zu, den ich ass, während ich auf dem Computer sanfte Musik laufen liess. Daraufhin absolvierte ich einige Yoga-Übungen auf der Matte und meditierte, den Kopf dem Fenster zugewandt, durch welches die Sonne schien. Den Abschluss des Rituals bildeten ein paar Atemübungen. Nachdem ich alles erledigt hatte, ging ich jeweils zur Arbeit im Grossraumbüro. Seitdem ich das Ritual durchführte, ging es mir blendend; nicht nur, weil ich in die Sonne blinzelte, sondern weil ich mich fühlte, als sei alle Last, alle Schwere des Morgens von meinen Schultern genommen. Von Woche zu Woche ging es mir besser, bis mir eines Tages die Schüssel mit den Haferflocken aus der Hand rutschte. Sie zersprang in tausend Stücke. Die Scherben bildeten einen Kreis, aus dem eine unheimliche Erscheinung stieg. Dass sie allenfalls dämonischer Natur war, erkannte ich daran, dass ihr Hörner aus dem Kopf wuchsen.
«Was willst du?», fragte ich, um ihr zuvorzukommen.
«Was willst du?», echote sie zurück, bevor sie wieder verschwand, da ich eine Scherbe mit dem Fuss verschob.
Das war nochmal gutgegangen – trotzdem beschloss ich, die künftigen Morgen weniger zeremoniell zu gestalten.
