Der Dackel

Nach vielen Jahren des Trödelns hatte ich endlich einen auskömmlichen Job in der Versicherungsbranche gefunden. Weil ich darauf rechnete, in nächster Zeit ohne Geldsorgen und mit genügend Freiraum zu leben, kam ich auf die Idee, mir ein Haustier anzuschaffen. An einem Wochenende besuchte ich verschiedene Tierheime und Züchter in der Region, bis meine Wahl auf einen herzigen Dackelwelpen fiel, der, gerade erst fünf Wochen alt, freudig mit dem Schwanz wackelte, als er mir entgegenrannte. Wir zwei, dachte ich, werden noch Freunde.
Zunächst ging alles gut: Der Dackel zog bei mir ein, ich kümmerte mich um ihn und schaute, dass es ihm an nichts fehlte. Im Gegenzug schenkte er mir Aufmerksamkeit, Liebe und Trost. Wenn ich Abends nach Hause kam, trippelte er mir immerzu aufgeregt bellend entgegen. Das Bellen störte niemanden, da im Reihenhaus verständnisvolle Leute wohnten. Nur eine Sache fand ich seltsam: Obwohl damit zu rechnen war, dass der Welpe immer grösser wurde, wurde er immer nur länger. So kam, dass er, wenn er mich an der Tür begrüsste, sein Hinterteil gar nicht mehr aus der Küche bewegen musste – also dort, wo sein Schlafplatz lag. Ging ich ins Wohnzimmer, folgte er mir und verhedderte sich dabei in der Stehlampe, die krachend umfiel. Und wenn ich in der Küche hantierte, passierte es zuweilen, dass sein langer Körper eine Schlaufe um meine Beine bildete und mich aus dem Gleichgewicht brachte. Beim Spazierengehen ergaben sich vorerst noch keine Probleme; der Wald bot zum Glück genug Platz. Aber bald musste ich die Eingangstür offen lassen, da seine Hinterpfoten, während ich mich schon längst mitten in der Natur befand, noch immer in der Küche standen. Die wirklichen Probleme begannen aber erst, als der Dackel eines Tages beschloss, mir zur Arbeit zu folgen, wo er ein unentwirrbares Knäuel bildete, über das sich die Mitarbeiter echauffierten. Irgendwann wurde der ungebetene Gast auch dem Chef zu viel und er befahl mich in sein Büro. Die unendliche Dackelwurst wollte mir bellend Beistand leisten, machte aber alles nur noch schlimmer. Ein ruhiges Gespräch war unter diesen Umständen verunmöglicht – Der Chef zog die härteste aller Konsequenzen und entliess mich. Alles Betteln und Weinen half nichts, ich musste meine Sachen packen. –
Am Ende dieses mehr als missglückten Tages kehrten der Hund und ich nach Hause zurück. Im Wohnzimmer warf ich mich aufs Sofa und hielt mit trübem Blick nach seinem Hinterteil Ausschau. Doch es befand sich wohl gerade irgendwo auf der Strasse.
«Das hast du gut gemacht», sagte ich seufzend.
Der Dackel bellte.

Kategorie: