Tümpel

«Es war nur ein Plastikbaum», sagte der Mitbewohner.
«Trotzdem, ein Baum», erwiderte ich und starrte auf den schwarzen Tümpel, der sich inmitten unserer Stube gebildet hatte. Wir hatten den Baum zu Weihnachten gekauft und stehengelassen, was ich nun bereute.
«Glaubst du, er ist da drin verschwunden?», fragte er.
«Daran besteht kein Zweifel», meinte ich.
«Wir wissen nicht, wie tief das Wasser ist», gab er zu Bedenken.
«Sagtest du nicht, es sei ein Tümpel?»
«Na ja, von der Grösse her vielleicht. Was die Tiefe angeht …»
«Also wäre es eher ein Teich oder ein See.»
«Selbst wenn es eine Pfütze wäre, das ist mir nicht geheuer. Willst du wirklich da rein?»
Ich zurrte die Badehose fest. «Der Baum war teuer.»
«Also ich gebe zu, ich habe beim Preis ein wenig gelogen.»
«Das ist jetzt egal.» Ich stakste auf den Tümpel zu und hielt die Zehen ins Wasser. Es war eiskalt. Schaudernd blickte ich mich zum Mitbewohner um, dessen Miene nichts Gutes verhiess. Ich machte einen Schritt weiter und spürte, wie die schwarze Flüssigkeit um meine Knöchel schwappte.
«Pass auf!», rief er.
Ehe ich die Gefahr erkannte, hatte mich etwas am Knöchel gepackt und in die Tiefe gezogen.

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