Warum ich mit meiner Verletzung nicht ins Krankenhaus fuhr und stattdessen nach Hause ging, wusste ich nicht. Dabei hätte der Verlust des Fingers durch die Sägemaschine sofortige Behandlung erfordert. Ersatzweise wickelte ich ihn in Watte ein und legte ihn in den Kühlschrank, wo ich ihn einen Tag und eine Nacht lagerte. Als ich das Gefrierfach am nächsten Morgen öffnete, war der Finger zu meinem Erstaunen grösser geworden. Lag es an den niedrigen Temperaturen? Oder daran, dass er neben der gefrorenen Pizza lag? Auch das war mir ein Rätsel. Von nun an wuchs der Finger jeden Tag, wurde immer sperriger und unförmiger, wodurch er bald keinen Platz mehr auf der kleinen Ablage fand. Also stellte ich ihn ins Wohnzimmer. Aber auch da wuchs er weiter. Wenn ich noch länger wartete, so fürchtete ich, würde er bald nicht mehr in die Wohnung passen. Somit blieb nur eine Lösung. Ich nahm den Finger unter den Arm und schleppte ihn auf eine Brücke, die über die Limmat führte. Mit viel Schwung warf ich ihn über das Geländer, wo er ohne Aufsehen im Fluss versänke – so dachte ich zumindest. Aber zufällig schwamm just in diesem Augenblick ein Mensch unter der Brücke hindurch, der, vom Finger getroffen, auch gleich mit versank. Seither bin ich auf der Flucht.
