Der Weg von der Gondelstation zur Mobilfunkantenne führte durch einen verschneiten Wald, der über einem kleinen Bergdorf lag. Ich war diesen Weg schon oft gegangen, weshalb ich mich kaum auf die Umgebung achtete. Hätte ich es getan, wäre mir aufgefallen, wie ein Schatten hinter einem Baum hervorhuschte und sich mir an die Fersen heftete. Die Sonne schien, darum wäre er leicht zu erkennen gewesen. In Gedanken versunken, bemerkte ich ihn aber nicht, bis ich bei der Antenne angelangt war und das Reparaturwerkzeug auspackte.
«Das Signal wird nicht funktionieren», sagte der Schatten.
Ich schreckte auf und liess das Werkzeug fallen. «Wer bist du?»
«Ein Schatten, der hier wohnt», antwortete er. «Im Wald.»
«Und was willst du von mir?», fragte ich.
«Dir erklären, warum das Signal nicht funktionieren wird.»
«Und? Warum nicht?»
«Weil es hier oben einsam ist. Das Signal hat sich wie ein Mensch verändert. Es ist eigenbrötlerisch und kauzig geworden. Darum ist es, so sehr du auch versuchst, die Antenne umzubiegen, nicht mehr kompatibel.»
«Womit?»
«Mit dem Mobilfunknetz.»
«Das soll ich dir glauben?», fragte ich angriffig. «Was bildest du dir ein, mich zu belehren? Vom Fach bist du nicht, wie man hört.»
«Du kannst die Reparatur gerne versuchen, wenn du willst», gab er zurück. «Aber du wirst nur deine Zeit verschwenden.»
«Das werden wir sehen», sagte ich, worauf der Schatten verschwand. Frisch machte ich mich an die Arbeit. Doch tatsächlich: Das ursprüngliche Mobilfunksignal war nicht wiederzuerkennen. Mein Kontrollgerät zeigte Messungen an, die jenseits aller Normwerte lagen. Ich bekam das Problem bis zum Abend nicht in den Griff, sodass die Dunkelheit hereinbrach und ich immer noch neben der Antenne sass. Nun fände ich den Weg zurück ins Dorf nicht mehr. Und in den Wald wagte ich mich schon gar nicht. So musste ich neben der Antenne ausharren.
Der Schatten hatte recht gehabt, dachte ich reumütig, als ein eisiger Wind über den Berg fuhr. Es war wirklich einsam hier oben.
