«Ruhe!», schrie der Leiter der Astronomischen Gesellschaft. Was er daraufhin verkündete, war allerdings alles andere als beruhigend. «Die Sterne sind verschwunden.»
«Inwiefern?», fragte eine alte Dame skeptisch.
«Das sehen Sie doch selbst», sagte der Leiter. «Sie sind nicht mehr da.»
Ein Blick in den Himmel bestätigte das Gesagte: kein einziger Lichtpunkt hing mehr am Firmament. Die Mitglieder der Vollversammlung wurden nervös. Sowas hatte es in all den Jahren noch nie gegeben.
«Wo sind sie hin?», fragten einige. «Wie konnte das passieren?», sinnierten andere.
«Und wenn ich sie nun gestohlen habe?», fragte die Assistentin.
Die Vereinsmitglieder drehten die Köpfe zu ihr.
«Unsinn», sagte der Leiter.
«Keinesfalls», erwiderte die junge Frau. «Während Sie damit beschäftigt waren, über das Budget zu diskutieren, habe ich die Sterne in meine Tasche gesteckt.»
«Und wozu soll das gut sein?», schnaubte die Dame.
«Ich wollte Sie bloss etwas ärgern.»
«Jetzt ist aber gut», knurrte der Leiter. «Geben Sie die Sterne wieder her.»
«Na schön.» Die Assistentin griff in ihre Tasche. Dann wurde sie bleich.
«Sie sind fort», flüsterte sie bestürzt.
«Wie bitte?»
«Die Sterne sind nicht mehr in meiner Tasche.»
Die Vereinsmitglieder murmelten durcheinander.
Die Assistentin schüttelte die Tasche. Nacheinander fielen gewöhnliche Alltagsgegenstände hinaus. Aber keine Sterne.
«Da muss ein Loch im Stoff gewesen sein, durch das sie gefallen sind.»
«Und wo sind sie denn hingefallen? Etwa auf den Boden?», fragte der Leiter sardonisch. Die Dame von vorhin lachte verzweifelt auf.
«Ich weiss es nicht», sagte die junge Frau hilflos.
Eine Weile herrschte betroffenes Schweigen. Dann entschied sich der Leiter für die einzige ihm angemessene Konsequenz.
«Die Sitzung ist vorzeitig beendet.» Er klopfte auf den Tisch. Nach und nach zerstreuten sich die Vereinsmitglieder. Nur die Assistentin blieb sitzen und schaute in den Himmel.
Die Sterne kehrten allmählich an ihren Platz zurück.
