Der Schlosser

«Ich war gerade in der Gegend», sagte der Schlosser, als ich auf sein Klingeln hin die Tür öffnete. «Da dachte ich, es wäre schön, einmal vorbeizuschauen.»
«Guten Tag», erwiderte ich verschlafen. Ich war erst gerade aufgestanden und trug nichts als die Trainerhose.
«Sie bräuchten vielleicht ein neues Schloss.» Der Mann nickte vertraulich.
«Warum?»
«Sehen Sie hier.» Er fuhr am Türrahmen entlang. «Bei Ihnen wurde bereits eingebrochen.»
«Ach ja?», fragte ich skeptisch.
«Das sieht man. Ein Riss», erklärte er und tippte mit dem Finger an eine Stelle des Rahmens. «Wohnen Sie schon lange hier?»
«Etwa zwei Jahre», sagte ich zögerlich. «Aber mir ist kein Einbruch aufgefallen.»
«Das war in dem Fall, bevor Sie hier eingezogen sind. Damals hat man das Schloss offenbar nicht erneuert. Und durch den Türspion können die anderen Sie auch sehen.»
«Welche anderen?»
«Die, die vor Ihrer Tür stehen.»
«Aha», murmelte ich.
«Wir hätten gerade ein neues Schloss im Angebot. Wenn Sie wollen, kann ich es Ihnen gerne zeigen.»
Ohne auf meine Antwort zu warten, hielt mir der Mann einen Werbeprospekt vor das Gesicht.
«Meinen Sie das hier?», fragte ich.
«Genau. Dieses Modell bietet erhöhten Einbruchschutz durch die Mehrpunkteverriegelung.»
«Mehr Punkte?»
«Bis zu zehn.» Der Schlosser zwinkerte mir zu. «Und was den Türspion angeht, so können wir den auch ersetzen. Durch das Weitwinkelmodell sehen Sie vergrössert und klar wie nie zuvor.»
«Das klingt ja alles gut. Aber was kostet mich das?», fragte ich skeptisch.
«Etwa neunhundert Franken, wenn Sie das Schloss diese Woche erneuern lassen. Sie können auch später, aber dann wird es teurer.»
«Ich schätze, ich sollte das mit dem Wohnungseigentümer besprechen», antwortete ich. Und nach einer Pause fügte ich hinzu: «Ich werde mir das Ganze durch den Kopf gehen lassen.»
«Wunderbar», sagte der Schlosser gutgelaunt. «Behalten Sie den Prospekt und rufen Sie an, falls Sie sich dafür entscheiden.»
«Das werde ich, danke», sagte ich und schaute zu, wie der Mann sich entfernte. Nachdem er verschwunden war, blickte ich unsicher auf den Türrahmen. Hoffentlich brach niemand ein.

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