Gespräch mit Blumenkohl

Am Tisch immer das gleiche Problem: Wieder und wieder wurde mir Blumenkohl serviert, den ich weder bestellt hatte noch essen wollte.
«Ich werde dich so lange anstarren, bis du mich isst», drohte er mir.
«Woher kommst du?», fragte ich genervt, nachdem meine Versuche, ihn loszuwerden, gescheitert waren.
«Ich wachse aus dem Boden, wie alle Pflanzen», antwortete er.
«Aber warum kommst du immer zu mir?»
«Weil du derjenige bist, der mich essen muss, und es nicht tust.»
«Das heisst, jeder Blumenkohl sucht sich den Menschen aus, von dem er gegessen werden will?»
«Mein Wille hat nichts damit zu tun. Es ist Schicksal», sagte er gravitätisch.
«Aber warum versuchst du nicht zumindest, etwas anderes zu wollen?»
«Wir können nicht dagegen ankämpfen. Wenn wir es tun, werden wir nur unglücklich.»
«Das klingt schrecklich. Aber ich werde dich trotzdem nicht essen», sagte ich überzeugt. «Du musst einen anderen Weg finden.»
«Es gibt keinen anderen Weg. Du isst mich, oder ich komme immer wieder zurück.»
«Das werden wir sehen», sagte ich, und dachte mir eine besonders sichere Methode aus, ihn loszuwerden. Als Erstes besorgte ich mir eine Kiste. In die Kiste sprühte ich Sekundenkleber und presste den Blumenkohl darauf fest. Dann verschloss ich die Kiste mit einem Vorhängeschloss und wickelte schwere Ketten darum. Anschliessend fuhr ich mit der Kiste an eine englische Meeresbucht und schleuderte sie weg. Sie landete mit einem Platschen im Wasser und versank in den Fluten.
Und siehe da: Der Blumenkohl liess mich in Ruhe.

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