Die Bedrohung

Von den geisterhaft durch die Luft schwebenden Ammoniten, so sagte man, ginge keine Bedrohung aus. Sie besassen weder eine feststoffliche Form, noch zeigten sie aggressives Verhalten. Wissenschaftler aller Fachrichtungen stürzten sich mit Begeisterung auf die neuen Erscheinungen, die Strände und Klippen in gemässigten Breitengraden heimsuchten. Halbwissende hielten sie für Astralprojektionen oder lebendig gewordene Erinnerungen vergangener Erdzeitalter. Ich liess Vorsicht walten, besonders in den Strandferien. Als ich nach einem frühmorgendlichen Hotelaufenthalt meinen Liegestuhl an den Strand stellte und mich darauf fläzte, bemerkte ich, wie eines der transparenten Wesen über mir schwebte. Ich beobachtete es argwöhnisch, doch als es nach fünf Minuten immer noch keine Regung zeigte, lehnte ich mich zurück und schloss die Augen. Ich musste wohl eine Stunde geschlafen haben, bis ich wieder erwachte und einen seltsamen Schmerz verspürte. Ich blickte an mir herunter und sah eine ammonitenförmige Rötung auf der Brust. Das astrale Wesen war verschwunden. Ich blinzelte in die Sonne und erahnte: Der durchsichtige Körper hatte das Licht gebündelt und verstärkt, ähnlich einer Lupe, und damit den schmerzhaften Abdruck hinterlassen. Verärgert stöhnend richtete ich mich auf, erwägend, ob ich den Zwischenfall öffentlich machen sollte. Doch ausser irgendwelchen Boulevardblättern, fürchtete ich, würde sich niemand dafür interessieren. Ich klappte den Stuhl zusammen und trug ihn zum Hotel zurück.

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