Treppenstufen und Kosmoklänge

Vergangenen Mittwoch las ich auf der Treppenstufe vor dem Tommasini Lenzburg gegen Verkehr und den Soundcheck der nachfolgenden Band an:

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Heute, um 21:30, lese ich im Rahmen von Guck Mal Günther, Kunst erneut vor dem Tommasini, diesmal hoffentlich mit Mikrofon und Verstärker. Gleichzeitig senden cosmotecho ihre Klänge ins All. Kommt und lauscht!

Text im KOLT

In der Septemberausgabe (Nr. 77) des Oltner Stadt- und Kulturmagazins KOLT bin ich mit einem kurzen Kleopatra-Text vertreten. Illustration von Petra Bürgisser.

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Kunst im Tommasini

Vom 7. bis 11. September findet das Kunstfestival Guck mal Günther, Kunst im Tommasini in Lenzburg statt. Zusammen mit Jung im All werde ich ebenfalls dabei sein. Am:

Mi, 7.9.: 20 Uhr bis 20:30
Sa, 10.9.: 16:00 bis 16:15
und 18:30 – ca. 19:00

gibt es Kurzlesungen auf die Ohren. Neben altbekannten Texten werde ich vielleicht den einen oder anderen Ausschnitt aus einem neuen Romanprojekt lesen. Also kommt vorbei!

sage&schreibe

Das Kantimagazin „sage&schreibe“ veröffentlichte neulich in der 23. Nummer einen Artikel über das Theater „Der weisse Kalong“. Schade, ist es vorbei – aber vielleicht war es ja nicht das letzte. Zu finden ist der Artikel hier bzw. unter Presse.

Kampf der Magazine

Am 19. Mai fand im Aargauer Literaturhaus Lenzburg der Kampf der Magazine statt: Zum vielleicht ersten Mal traten die Literaturmagazine der Schweiz gegeneinander an. Klar, ging es dabei um Köpfchen statt Muskeln – auf 3 Beamern massen sich die Kontrahenten live im Schnellschreiben. Ich setzte mich ebenfalls in den heissen Stuhl, wenn auch nur für eine erste demonstrative Runde. Den eigentlichen Wettbewerb gewann das Narr. Das Programm Write Or Die, mit dem der Kampf bestritten wurde, empfehle übrigens allen verzweifelten und nicht so verzweifelten Schreiberlingen mit oder ohne Deadline.

Vernissage delirium Nr. 6

Letzten Donnerstag kam das delirium Nr. 6 frisch aus der Druckerei, pünktlich zur abendlichen Vernissage in der Bühne S. Getreu dem metamässigen Heftprogramm las ich meine Rezension über Cédric Weidmanns nichtexistenten Roman „Tekeli-li“ vor. Oder existiert er doch, nur schrieb ihn jemand anders? Jedenfalls wurde ich nicht ausgeschafft. (- wer jetzt das nicht versteht, war halt nicht dabei!)
Im Magazin sieht das Ganze so aus:

Am 19. Mai gibt es übrigens noch mehr delirium: Im Auftrag des Hefts nehme ich am Kampf der Magazine teil.

Jazz und ein Haufen Narren

Am Samstag war der (zweite) Release des Narr Nr. 19 im Coq d’Or in Olten. Mit dabei: eine Impro-Jazzband, ein paar Poeten – und ich. Zu sphärischen Klängen las ich einige Texte aus dem „Graben“ vor:

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Am späteren Abend kamen dann endlich auch ein paar Zuschauer vorbei. Adam Schwarz, seit kurzem Redaktionsmitglied beim Narr, las übrigens auch ein Kapitel aus seinem unveröffentlichten Roman vor – dass es um Hunde ging, weiss ich noch. Aber es gab auch viele andere interessante Beiträge zu hören.

Wie sieht nun der Text im Heft aus? Er trägt den Titel „Die Lippen“ und handelt vom Planeten Jupiter. Wer mehr als die erste Seite lesen will, dem empfehle ich einen Besuch auf www.dasnarr.ch. Das Magazin für frische Schweizer Literatur lässt sich ganz bequem im Shop bestellen.

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Ein Gönner-Abo ist übrigens auch keine schlechte Sache.

Gelungene Premiere

Am Freitag ging die Premiere des „weissen Kalongs“ über die Bühne. Bis vor Beginn stieg meine Nervosität stetig an: Das erste Mal würde mein Stück vor Publikum aufgeführt. Würde alles klappen? Würden die Leute das Stück gut aufnehmen?
Nach den ersten paar Szenen lösten sich meine Bedenken jedoch in Luft auf. Das lag nicht nur an den Reaktionen des Publikums, sondern auch an den Schauspielern, die ihre Rollen mit Enthusiasmus verkörperten und so jeder Figur Leben einhauchten. Ob die arrogante Frau Eichenberg, der verzweifelte Museumsdirektor, die dienstfertigen Assistenten und schüchterne Johannes: Alle brachten ihre Persönlichkeit zur Geltung und verliehen dem Stück den nötigen Pfiff. Die Szenen, die für die Bühne gekürzt oder umgeschrieben worden waren, fügten sich gut ins Gesamtbild ein; die eine Szene gegen Ende (Johannes sitzt neben dem weissen Kalong) kam gar, anders als im Skript, beinahe ohne Worte aus – trotzdem zeigte sie Wirkung (vielleicht sogar eine bessere als mit Worten). Die Theatertruppe sowie das Museum scheuten keinen Aufwand: Beleuchtung, Szenenwechsel, die Gruppenführungen liefen fast reibungslos ab. Dahinter steckten viele Stunden Arbeit, die ich sehr schätze. Ohne das Engagement aller wäre ein solch gelungener Abend nie möglich gewesen.

„Der weisse Kalong“ basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte im Erzählband „Der Graben“. Ein Team von Wissenschaftlern reist nach Borneo, um Flughunde zu beobachten. Bei einem seiner Streifzüge wird der Hilfsassistent vom weissen Kalong entführt, einem mysteriösen Wesen zwischen Mensch und Tier. In der Erzählung endet die Begegnung mehr oder weniger glimpflich. Nicht so im Theaterstück, das sich als Fortsetzung der Erzählung versteht. Der weisse Kalong wird unschädlich gemacht und landet als Schenkung im Naturmuseum, wo er wieder erwacht und für Unheil sorgt. Der Kalong ist indes nicht der einzige Unruhestifter: Eichenberg will für die Entlassung des Museumsdirektors sorgen, die Assistenten bemühen sich um einen Platz in des Professors Monographie und da ist noch ein Vampirjäger – kurz, für Chaos ist gesorgt.
Woher kam aber die Idee für die Kurzgeschichte?
Ursprünglich sollte sie den wissenschaftlichen Betrieb auf die Schippe nehmen. Zwar hatte ich damals noch nicht selbst als Hilfskraft gearbeitet, kannte allerdings den Mitarbeiter-Alltag aus Erzählungen. Vom Kopien anfertigen übers Kaffee bringen bis hin zum Koffer schleppen war alles dabei – nur die persönliche Entwicklung blieb auf der Strecke. Figuren mit grossen Plänen und kleinen Möglichkeiten sind mir sympathisch. Was also lag näher, als einen Hilfsassistenten zum Helden einer Erzählung zu machen? Dass sie ausgerechnet im Urwald Borneos und mit Vampirmythen spielt, ist wohl meiner Lektüre einiger klassischer Gothic Novels und Heart of Darkness zu verdanken.
Vielleicht ist da aber auch mehr. Seit einiger Zeit habe ich begonnen, mich mit phantastischer Literatur zu beschäftigen. Ich wollte ihren Fragen nachspüren: Wo lösen sich die Grenzen zwischen Vorstellung und Realität auf? Hat die Wissenschaft als kontinuierliche Desillusionierung – in ihren Zielen und Kaffeemethoden – ein Anrecht darauf, alle Geheimnisse zu lösen? Viele klassische Horrorautoren würden die Frage wohl verneinen – sie ist auch eigentlich ein alter Hut. Anders als E.T.A. Hoffmann halte ich aber nichts von einem „feindlichen Prinzip“: womöglich sind sich das Wissenschaftliche und das Phantastische (der weisse Kalong) einander gar nicht so unähnlich. Sie arbeiten einfach in unterschiedliche Richtungen. Während uns die Wissenschaft hilft, die Welt zu verstehen, entrückt uns die Fantasie in unverständliche Welten – wir erleiden sie passiv, in Tagträumen und Abschweifungen. Die Wissenschaft hingegen betreiben wir aktiv. Oder eben bloss blätterkopierend, kaffeekochend – also nicht ihrem eigentlichen Zweck entsprechend. Ebenso pflegt das Phantastische, sobald es sich uns annähert, seine Gestalt zu verändern. Aus dem unheimlichen Kalong-Wesen wird etwas, das nicht so sehr „feindlich“ ist, wie es den Anschein hatte. So lösen sich die Grenzen auf, und was wir mühsam zu verstehen versuchten, hat sich unserer längst ermächtigt.

„Der weisse Kalong“ wird mit der heutigen Vorstellung noch sieben Mal gespielt. Die Daten sind unten und auf dem Flyer aufgeführt. Nicht vergessen: wegen der beschränkten Platzzahl sind Reservationen nötig.

(Weitere Überlegungen zur phantastischen Literatur finden sich in diesem Essay zu Henry Rider Haggards Roman She: A History of Adventure (1887))